Kind und Wald
Kind und Wald

„Wenn der Storch nicht von alleine kommt. Gelassen durch die Kinderwunschbehandlung“ von Melanie Croyé 

Es ist einer dieser gemütlichen Nachmittage. Meine kleinen Waldkinder wuseln um mich herum. Sie bauen aus unseren Stühlen und Decken Höhlen. Verkriechen sich darin und kichern. Ich sitze mit meiner Freundin am Esstisch und trinke Kaffee. Wir genießen diese ruhigen Nachmittage, auch wenn sie noch keine Kinder hat. Doch eigentlich wäre sie eine perfekte Mutter – so liebevoll wie sie mit meinen Mädchen umgeht. „Den passenden Mann hat sie doch auch“, denke ich, als sie meine Gedanken zu lesen scheint und meint: „Weißt du, wie sehr ich dich um das hier alles beneide? Michael und ich wären auch so gerne eine richtige Familie … mit einem Kind. Wir wollen mehr sein, als nur ein Paar.“ Am Tonfall merke ich, dass sie mir mehr erzählen möchte. Etwas Wichtiges. Das scheinbar längst überfällige Gespräch, weshalb sie und Michael keine Kinder haben. Der Grund? Es klappt einfach nicht. Sie haben es schon so lange probiert und trotzdem wird sie nicht schwanger. „Wir denken bereits darüber nach, ob wir nachhelfen sollen. Du weißt schon … in so einem Kinderwunschzentrum.“ Beinahe flüstert meine, sonst von Selbstbewusstsein strotzende, Freundin. Ist es etwas wofür man sich schämen muss? Zweifel und Ängste schwingen in ihrer Stimme mit.

So wie sie, fühlen sich viele Frauen, die nicht schwanger werden können. Lediglich 20 Prozent der Paare, die ungewollt kinderlos sind, trauen sich den Schritt in die reproduktionsmedizinische Behandlung, so die Autorin des Ratgebers „Wenn der Storch nicht von alleine kommt“, Melanie Croyé. Am Abend auf dem Sofa sitze ich bereits mit dem Buch in der Hand da und lese mich in das Thema „Kinderwunschbehandlung“ ein.

Ich möchte meine Freundin unterstützen können auf dem Weg, der vor ihr liegt. Auf einem Weg, der mir vollkommen fremd ist. Wie fühlt sich die Frau, wenn sie nicht schwanger werden kann? Wenn sie ein so emotionales und privates Thema mit zahlreichen weißgekleideten Menschen besprechen muss? Das Private, das Romantische wird aufgegeben. Alles muss sie in die Hände von Fremden geben. Melanie Croyé möchte Licht in das Dunkel bringen und aufklären. Sie selbst hat ihre beiden Kinder auch durch Kinderwunschbehandlung bekommen. Daher wundert es nicht, dass ihr Buch nicht nur ein nüchterner Ratgeber ist, sondern auch ein Erfahrungsbericht einer Frau, die ihre Töchter mit Hilfe der Reproduktionsmedizin bekommen hat. Ehrlich und offen beschreibt Croyé ihre Ängste aber auch ihre Hoffnung. Sie erzählt von ihrer passiven Rolle, in die sie gezwungen wurde und von der Abhängigkeit von den Ärzten. Um dies anderen Frauen ersparen zu können, hat sie dieses Buch geschrieben. Sie möchte aufklären und Mut machen.

Gleich nach der Einleitung steigt sie in das Thema ein und beschreibt „was man über Unfruchtbarkeit wissen sollte“. Es wird eine Übersicht über die wichtigsten Frauenkrankheiten, die Unfruchtbarkeit bewirken können geboten. Der Mann wird hierbei jedoch vollkommen ausgelassen. Daran schließt sich ein Kapitel über die Voruntersuchungen, wie Bluttests, Ultraschall oder Spermiogramm an. Auch alternative Behandlungsformen wie Yoga oder Hypnose stellt die Autorin vor. Wer nun aber denkt, dass es sich hierbei um Hypnose, die man aus dem Fernseher kennt, handelt, irrt. Vielmehr soll Hypnose bei Kinderwunsch die Frau entspannen, ihr ihre Ängste und den Stress nehmen. Das Kapitel über die eigentliche künstliche Befruchtung macht nur einen kleinen Teil aus. Auch hier wird das medizinische Vorgehen gut erklärt und hilft beim Verstehen des Ärztekauderwelsch. Zum Schluss hat Melanie Croyé noch Tipps für mehr Gelassenheit während der Kinderwunschbehandlung und klärt über rechtliche und finanzielle Aspekte auf. Ein Nachwort, Quellen und weiterführende Literatur runden den Ratgeber ab.

 

„Wenn der Storch nicht von alleine kommt“ ist ein einfühlsam geschriebener Ratgeber, der durch persönliche Erfahrungsberichte die Gefühle der Leserin aufgreift. Die Botschaft „Du bist nicht allein und du wirst es schaffen“, wird vielen Frauen mit bisher unerfüllten Kinderwunsch neue Kraft und Mut geben. 

 

*erschienen im Beltz Verlag

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