Kind und Wald
Kind und Wald

Wie Kinder heute wachsen. Natur als Entwicklungsraum

Ein liebevolles Buch zum Thema Kindheit von Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther.

 

 

 

Nein, in diesem Buch steht einmal nicht die Erziehung der Kinder im Mittelpunkt, sondern das Kind selbst. Was brauchen unsere Kinder, um glücklich zu sein? Wie werden sie Erwachsene mit einem gesundem Selbstbewusstein? Ich als Mutter stelle mir täglich die Frage, ob ich meinem Kind gerecht werde. Ob das, was ich tue, reicht? Wie werden meine Mädchen auf ihre Kindheit zurückblicken, wenn sie selbst junge Frauen sind?

 

 

Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther haben in ihrem Buch “Wie Kinder heute wachsen. Natur als Entwicklungsraum“ erschienen im Beltz Verlag, mit eben diesen Fragen beschäftigt. Was brauchen unsere Kinder, wirklich? Wie der Titel vermuten lässt, ist die Antwort darauf in der Natur, im Draußen zu finden. Doch damit meinen die Beiden nicht unbedingt unberührte Wälder und Wiesen, wie es die meisten Familien in Städten nun einmal nicht vorfinden. Nein, die Natur ist auch auf Hinterhöfen zu finden. Ganz sympathisch beschreiben Renz-Polster und Hüther, dass die Natur für die Kinder einfach ein Ort voller Abenteuer ist. Fernab von Helikoptereltern, unbeobachtet von den Großen. Dort draußen finden unsere Kinder „Beziehungen zu Bäumen. Zu Pflanzen. Zu Tieren. Dingen. Orten“. So wachsen sie zu selbstorganisierten Menschen heran.

Und dennoch verneint dieses Buch nicht, dass das „Drinnen“, nicht auch seinen Reiz hat. Ein ganzes Kapitel wird dem Thema Neue Medien gewidmet. Sie werden nicht verteufelt, aber auch nicht glorifiziert: „Aber warum sollte eine neue Erzählweise gleich die Geschichte verderben? Warum sollt eine Geschichte auf Papier denn besser sein als dieselbe Geschichte auf einem Bildschirm?“ Doch auch das ist die Wahrheit: „Dass virtuelle Medien in Krippen und Kindergärten einen Lern- oder Entwicklungsvorteil bringen, ist eine reine Behauptung. Sie wird durch keine Theorie der kindlichen Entwicklung unterstützt.“ Ein ungetäuschtes Bild ohne Extreme und Vorurteile.

 

 

Und dann, fast schon zum Schluss, kommt der Absatz über die Waldkindergärten. Ein ganzes Kapitel ist es nicht geworden. Auch das ist wieder typisch für dieses Buch: man will ja nicht zu dogmatisch sein, man will alle Eltern ansprechen. Und dennoch, dieser Absatz hat alles drinnen: „Die Kinder aus Waldkindergärten […] sind nicht verwildert. Sie sind sozial kompetenter. Sie sind kreativer. Und sie lernen das Rechnen so schnell wie die anderen!“

 

Um nun die Anfangsfrage zu beantworten: „Was brauchen meine Kinder?“ – Ganz einfach: echte NaturERFAHRUNGEN. Die Natur bietet unseren Kindern alles, was sie zum Wachsen brauchen. Nicht das Besprechen von Naturphänomenen (Wie wächst ein Baum?). Nein, einfach mal einen Baum unmittelbar spüren. Einfach mal die Kinder laufen lassen, ganz ohne Programm und Plan. Lasst die Kinder selbst aktiv werden: „Natur ohne Freiheit funktioniert nicht. Die Natur öffnet sich dem Kind, wenn es dort Kind sein kann. Und womöglich nicht, wenn es dort Schüler sein muss, Forscher oder Anwalt der Zukunft.“

Für mehr Fotos folgt mir auf Instagram